Der Kanzler und die Märchenstunde: Warum Friedrich Merz die Realität der deutschen Wirtschaft nicht begreift und die Bürger dafür beschuldigt

Man erkennt politische Schwäche oft daran, dass sie sich als Strenge verkleidet. Wenn Regierungen keine Antworten mehr haben, greifen sie gern zur Moral. Dann wird nicht erklärt, sondern ermahnt. Nicht analysiert, sondern gescholten. Friedrich Merz hat diese Form der Politik jüngst wieder gepflegt. Die Deutschen, so sein Befund, arbeiteten zu wenig. Work Life Balance sei ein Luxus. In der Schweiz, heißt es dann gern, arbeite man schließlich rund zweihundert Stunden mehr im Jahr.

https://www.n-tv.de/politik/Merz-kritisiert-die-Arbeitsmoral-der-Deutschen-id30242973.html

Die Botschaft ist klar und angenehm einfach. Wenn es wirtschaftlich nicht läuft, liegt das nicht an politischen Entscheidungen, sondern an mangelndem Einsatz der Bevölkerung. Der Vorwurf ist alt, aber zuverlässig. Er verlangt keine Reformen, sondern nur Zustimmung oder Schuldgefühl.

Das Problem ist nur, dass diese Erzählung mit der ökonomischen Realität kaum Schritt hält.

Denn Deutschland leidet nicht an kollektiver Arbeitsunlust, sondern an einem strukturellen Mangel an produktiver Arbeit. Arbeit, die investitionsgetragen ist, dauerhaft existiert und Einkommen erzeugt. Genau diese Arbeit verschwindet seit Jahren schleichend. Unternehmen investieren zurückhaltend, Produktionskapazitäten werden verlagert, industrielle Kerne ausgehöhlt. Die stark gestiegene Zahl von Unternehmensinsolvenzen, besonders im verarbeitenden Gewerbe, ist kein Betriebsunfall. Sie ist Ausdruck eines Standortproblems.

In dieser Lage über Arbeitsmoral zu sprechen, ist ungefähr so zielführend, wie bei Ebbe den Schwimmern mangelnden Ehrgeiz vorzuwerfen. Wo das Wasser fehlt, hilft kein Appell.

Hinzu kommt ein Aspekt, den die Arbeitszeitdebatte regelmäßig elegant umgeht. Deutschland arbeitet nicht deshalb weniger, weil Menschen früher Feierabend machen, sondern weil deutlich mehr Menschen in Teilzeit arbeiten als in vergleichbaren Ländern. Der Unterschied zur Schweiz liegt weniger in der Mentalität als in der Struktur des Arbeitsmarkts.

Teilzeit ist hierzulande für viele keine Komfortentscheidung, sondern eine nüchterne Kalkulation. Vollzeit lohnt sich oft nicht mehr. Hohe Abgaben, teure Kinderbetreuung, starre Arbeitszeiten und ein Steuersystem, das zusätzliche Stunden spürbar abschöpft, senden klare Signale. Wer mehr arbeitet, behält davon häufig erstaunlich wenig. Dass sich unter solchen Bedingungen viele für reduzierte Arbeitszeiten entscheiden, ist kein Ausdruck von Bequemlichkeit, sondern von Rationalität.

Die Schweiz zeigt, dass es auch anders geht. Dort arbeiten mehr Menschen länger, weil sich Arbeit rechnet. Der Abstand zwischen Teilzeit und Vollzeit ist deutlich, die Belastung kalkulierbar, die Rahmenbedingungen stabil. Die Schweizer arbeiten nicht mehr, weil sie fleißiger wären, sondern weil das System es nahelegt. In Deutschland legt das System etwas anderes nahe.

Vor diesem Hintergrund wirkt der Verweis auf zweihundert zusätzliche Arbeitsstunden weniger wie ein Argument als wie ein Missverständnis. Er verwechselt Ergebnis und Ursache. Die Arbeitszeit ist nicht der Hebel, sondern das Resultat politischer und wirtschaftlicher Rahmenbedingungen.

Merz hat einen Teil des Problems selbst benannt, als er von zu hohen Arbeitskosten sprach. Das ist richtig. Nur liegt die Ursache nicht bei den Beschäftigten. Arbeit ist in Deutschland teuer, weil sie politisch verteuert wird. Abgaben, Steuern, Berichtspflichten und regulatorische Zusatzlasten machen jede zusätzliche Stunde zu einer kostspieligen Angelegenheit. Das ist kein Charakterfehler der Arbeitnehmer, sondern ein systemischer Konstruktionsfehler.

Statt diesen Fehler zu korrigieren, wird die Debatte moralisch aufgeladen. Energiepolitik wird als Tugendübung betrieben, Bürokratie als notwendige Zumutung verteidigt, steuerliche Belastungen als alternativlos dargestellt. Gleichzeitig wird erklärt, die Lösung liege in längeren Arbeitszeiten. Das verlagert Verantwortung und spart politische Arbeit. Es ändert nur nichts.

Der Kanzler hätte auch anders sprechen können. Er hätte erklären können, warum Investitionen ausbleiben. Er hätte darlegen können, welche Bedingungen geschaffen werden müssen, damit Unternehmen wieder Arbeitsplätze aufbauen. Er hätte sagen können, dass mehr Arbeit nur dort entsteht, wo sich Arbeit lohnt. Das wäre keine populäre Rede gewesen, aber eine ehrliche.

Stattdessen bleibt es bei der Erzählung vom arbeitsscheuen Land. Sie klingt streng, wirkt entschlossen und lenkt zuverlässig vom eigentlichen Problem ab. Nicht die Menschen sind zu bequem. Das System ist zu unattraktiv.

Am Ende bleibt eine Ironie, die sich kaum übersehen lässt. Ein Kanzler fordert mehr Arbeit in einem Land, das seit Jahren alles daransetzt, diese Arbeit unattraktiv zu machen. Das ist keine Wirtschaftspolitik. Das ist eine Märchenstunde. Und wie so oft endet sie nicht mit einem Happy End, sondern mit der ernüchternden Rückkehr in die Realität.

Die Krankenakte Markus Söder – Warum Deutschland nicht an kranken Arbeitnehmern, sondern an Politikern leidet

Markus Söder hat wieder eine Idee. Das ist immer der Moment, in dem man den Kopf einzieht, weil man weiß: Jetzt kommt garantiert nichts, was jemanden heilt, stärkt oder entlastet. Diesmal will der bayerische Ministerpräsident die Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall antasten. Angeblich, weil die Deutschen ja „zu oft krank“ seien und weil man es in der Schweiz „besser“ mache. Das klingt nach Reform, ist aber nur das übliche Krähen im Chor der politischen Betriebswirte, die ihren eigenen Laden nicht begreifen und deshalb lieber auf die Belegschaft zeigen.

https://www.n-tv.de/politik/Soeder-will-strengere-Regeln-bei-Lohnfortzahlung-im-Krankheitsfall-id30200622.html

Schaut man nämlich über die Grenze, entdeckt man ein anderes Bild: In der Schweiz wird die Lohnfortzahlung nicht staatlich, sondern über private Versicherungen geregelt. Das klingt zunächst hart, ist aber im Ergebnis erstaunlich arbeitnehmerfreundlich. Die Entgeltzahlung dauert dort häufig länger, liegt finanziell deutlich über dem deutschen Niveau und ist in der Höhe auch nicht gedeckelt. Mit anderen Worten: Ein Schweizer, der krank ist, bekommt in der Regel mehr, nicht weniger. Er bekommt dies auch länger. Und nein, er geht deswegen nicht seltener zum Arzt. Die Schweizer Bevölkerung ist nicht gesünder, sondern das System ist schlicht effizienter organisiert, weil der Staat sich aus vielen Dingen heraushält. Kein Wunder, dass Söder das missversteht.

In Wahrheit will er gar keine schweizerischen Verhältnisse. Er will deutsche Verhältnisse, nur eben billiger. Und nur natürlich auf dem Rücken Anderer. Krank werden soll zum moralischen Problem erklärt werden: Wer länger fehlt, gilt als potenzieller Schmarotzer. Das passt ins Menschenbild unserer politischen Klasse: Wer arbeitet, ist verdächtig, nicht krank zu werden; wer krank ist, ist verdächtig, nicht zu arbeiten. Ein grotesker Zirkelschluss, den man nur durchhalten kann, wenn man nie außerhalb politischer Sitzungssäle gearbeitet hat.

Dabei liegt das Problem an ganz anderer Stelle, und jeder, der rechnen kann, weiß es. Die gesetzlichen Krankenkassen werden derzeit durch eine uneingeschränkte Masseneinwanderung enorm belastet. Jeder Ankommende erhält eine Krankenversicherung, unabhängig davon, ob jemals Beiträge gezahlt werden. Der Staat übernimmt zwar theoretisch die Kosten. praktisch aber nur einen Bruchteil dessen, was anfällt. Die AOK kann das Lied längst auswendig. Der Rest wird querfinanziert und zwar von denen, die ohnehin schon das System tragen und ausgeblutet sind. Genau dort müsste also jede echte Reform ansetzen. Stattdessen hält Söder den Thermometer ins Fieber, schimpft über die Temperatur und fordert, dass die Patienten künftig bitteschön weniger herumliegen sollen.

Noch absurder wird es, wenn man seinen Vorschlag im Kontext betrachtet. Angeblich soll durch weniger Krankentage das „Beschäftigungsvolumen“ steigen. Das klingt beeindruckend technokratisch, wird aber durch einen simplen Umstand zerschossen: Es ist keine zusätzliche Arbeit da. Die Industrie wandert ab, Investoren umgehen Deutschland inzwischen wie einen Bürokratiestau, und wer hier noch produziert, bezahlt für Strom, Steuern und Vorschriften mehr als manche Konkurrenz für eine ganze Fertigungskette. Der Staat hat also das Pferd vernachlässigt, aber schlägt lieber den Stallknecht.

Es stimmt: In Deutschland wird im internationalen Vergleich weniger gearbeitet. Aber das liegt nicht an den Arbeitnehmern, sondern am System, das produktive Zeit in Frust, Papier und Prozesse erstickt. Der Staat kontrolliert, prüft, verordnet, blockiert und wundert sich dann, dass nichts mehr läuft. Jeder zweite Betrieb, der noch produziert, kämpft nicht gegen seine Konkurrenz, sondern gegen die eigene Verwaltung. Die Frage, die sich wirklich stellt, lautet nicht, wie man Menschen zur Arbeit zwingt, sondern warum es sich überhaupt noch lohnt, hier Arbeit zu schaffen.

Wer also glaubt, man könne Deutschlands wirtschaftliche und gesellschaftliche Erschöpfung mit weniger Krankengeld therapieren, gleicht dem Arzt, der dem Patienten nach der Operation das Bett wegnimmt, damit er schneller gesund wird. Es ist ein absurdes Schauspiel, bei dem Ideen durch die Republik galoppieren wie jene sprichwörtliche Sau, die man alle paar Wochen durchs Dorf treibt. Diesmal heißt sie eben „Reform der Entgeltfortzahlung“. Nächstes Mal heißt sie „Leistung muss sich wieder lohnen“. Und am Ende kommt wie immer: nichts.

Man müsste diesen politischen Kreislauf unterbrechen. Vielleicht tatsächlich mit einem TÜV für Politiker: Eignungstest, Fachkundeprüfung, jährliche Nachschulung. Themen: Volkswirtschaft, Sozialsysteme, Realität. Wer durchfällt, kriegt kein Megafon mehr. Das wäre billig, wirksam und endlich ein echter Reformansatz. Leider steht davon nichts in Söders Konzept. Aber vielleicht ja bald auf seinem nächsten Wahlplakat.

Deutschland 2025: Ein verlorenes Jahr zwischen Reden und Nichtstun

https://www.nius.de/politik/news/politischer-jahresrueckblick-im-irrenhaus-der-republik

Das Jahr 2025 wird in Deutschlands Geschichte als ein Jahr der vertanen Chancen eingehen. Es war kein Jahr des Stillstands – es war ein Jahr des Rückschritts. Auf allen Fronten. Wer sich die Realität anschaut, statt auf die Reden zu hören, sieht ein Land, das aktiv seine eigene Zukunft demontiert.

Die Deindustrialisierung: Deutschland wird entkernt

Beginnen wir mit den Fakten, die niemand gerne ausspricht. Große deutsche Unternehmen wie VW und BASF bauen Arbeitsplätze ab oder verlagern ihre Produktion ins Ausland. Das ist nicht eine vorübergehende Krise. Das ist der Anfang vom Ende unseres Status als Exportnation. Und die Gründe sind so offensichtlich, dass es fast schmerzhaft wirkt, sie aussprechen zu müssen.

Die Energiepreise in Deutschland sind drei bis vier Mal höher als in Konkurrenzländern. Ein Industrieunternehmen kann das einfach nicht ignorieren. Die Bürokratie funktioniert nicht als Schutzschicht, sondern als Lähmungsmittel. Genehmigungsverfahren dauern Jahre, statt Monate. Infrastruktur? Straßen verfallen, Brücken werden gesperrt, und die Schienennetzwerk gehört eher ins Museum als auf die Landkarte eines modernen Industrielandes. Das ist nicht Zufall. Das ist das Ergebnis von Jahrzehnten fehlender Investitionen und fehlender Prioritäten.

Und während diese Entwicklung sich abspielt wie ein langsamer Zusammenbruch, packen Unternehmen ihre Koffer. Sie gehen nicht, weil sie Deutschland hassen. Sie gehen, weil es wirtschaftlich rational ist. Und rational ist das Gegenteil von dem, was die Politik gerade tut.

Das Geld-Problem: Viel ausgeben, nichts verbessern

Hier beginnt es wirklich absurd zu werden. Die Bundesregierung gibt Millionen – und oft Milliarden – aus. Jedes Jahr. Und doch wird nichts besser. Nicht die Straßen. Nicht die Schulen. Nicht die Energiepreise. Nicht die Bürokratie.

Das liegt daran, dass das Geld nicht dahin fließt, wo es funktionieren würde. Wir bräuchten massive Investitionen in erneuerbare Energien, um die Strompreise zu senken. Wir bräuchten einen radikalen Abbau von Bürokratie – nicht nur eine Ankündigung, sondern echte, messbare Vereinfachung. Wir bräuchten Schulen, die wieder funktionieren, Universitäten, die Fachkräfte ausbilden, und eine echte digitale Infrastruktur. Wir bräuchten eine Strategie in KI und Technologie, die nicht nur auf dem Papier steht.

Stattdessen wird das Geld in Transfer-Programme gesteckt, in Symbolpolitik, in Reden, die gut klingen, aber nichts ändern. Das ist nicht Wirtschaftspolitik. Das ist Selbstbetrug mit öffentlichen Mitteln. Und während das passiert, schauen andere Länder zu, wie Deutschland sich selbst in Zeitlupe zerlegt.

Die Zensur: Meinungsfreiheit unter Druck

2025 hat Deutschland auch beim Thema Redefreiheit einen Schritt zurück gemacht. Das ist nicht dramatisiert. Das ist beobachtbar. Neue Maßnahmen – von der Bundesregierung und der EU – machen echte Meinungsfreiheit immer schwieriger. Kritik an der Politik kann Konsequenzen haben. Social Media wird überwacht und gelöscht. Wer das „Falsche“ sagt, riskiert nicht nur soziale Ächtung, sondern auch strafrechtliche Ermittlungen.

Manche werden sagen, das sei Sicherheit. Das ist es nicht. Das ist Kontrolle. Und ein Kontrollstaat und echte Innovation passen nicht zusammen. Innovation entsteht dort, wo Menschen frei denken, frei sprechen und frei experimentieren können. Nicht dort, wo jeder Satz überwacht wird. Das ist das Gegenteil dessen, was Deutschland jetzt braucht.

Die Politiker: Kompetenz ist optional

Hier wird es unangenehm, aber es muss ausgesprochen werden. Im Bundestag sitzen Menschen ohne Schulabschluss in Positionen, die über die Zukunft Deutschlands entscheiden. Das ist nicht satirisch gemeint. Das ist Fakt. Und das ist, offen gesagt, unverantwortlich.

Würde jemand einen Elektiker ohne Ausbildung engagieren, um die Stromversorgung zu planen? Nein. Würde jemand einen Arzt ohne Examen operieren lassen? Niemals. Aber Politiker, die Deutschland durch die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts führen sollen, dürfen ohne relevante Qualifikation, ohne Verständnis für Wirtschaft, Technologie oder Strukturfragen entscheiden? Das ist nicht Egalitarismus. Das ist fahrlässig.

Ein radikaler Gedanke: Vielleicht bräuchten wir einen TÜV für Politiker. Nicht aus Arroganz, sondern aus Selbstschutz. Ein Land mit komplexen technischen und wirtschaftlichen Herausforderungen kann sich schlicht keine Führung leisten, die diese Herausforderungen nicht versteht. Das ist kein Elitarismus. Das ist gesunder Menschenverstand.

Deutschlands Ruf international: Vom Vorbild zur Punchline

Deutschland war einmal das Land der Ingenieure, der verlässlichen Partner, der wirtschaftlichen Stabilität und der innovativen Kraft. Das ist lange her. Heute schauen andere Länder zu, wie wir unsere beste Industrie abstoßen, unsere Infrastruktur verfallen lassen, unsere Meinungsfreiheit beschneiden und unsere Schulen vernachlässigen. Und sie tun das mit einer Mischung aus Ungläubigkeit und Schadenfreude.

Deutschlands politisches und wirtschaftliches Gewicht sinkt spürbar. Wo wir einmal sprachen, wird jetzt gehört – aber nicht mehr respektvoll. Wo wir einst führten, folgen wir jetzt. Das ist nicht dramatisch formuliert. Das ist die Realität. Und diese Realität hat Konsequenzen.

Was 2026 bedeutet: Schlimm könnte noch schlimmer werden

Wenn sich nichts ändert – und die Signale deuten nicht darauf hin, dass sich etwas ändert – wird 2026 noch düsterer. Es wird mehr Arbeitsplatzabbau geben. Deutschlands internationale Position wird noch schwächer. Die Wettbewerbsfähigkeit in Zukunftstechnologien wird weiter sinken. Und die Einschränkungen von Rechtsstaatlichkeit und Meinungsfreiheit werden weitergehen.

Das ist keine schwarze Malerei. Das ist die logische Fortsetzung einer Politik, die seit Jahren auf Stillstand setzt, statt auf echte Veränderung. Und das ist das eigentlich Deprimierende: Die Lösung ist nicht mysteriös. Andere Länder zeigen, wie es funktioniert.

Was würde funktionieren

Ein radikaler Bürokratieabbau würde funktionieren. Nicht als Ankündigung, sondern als echte Vereinfachung. Genehmigungen in Wochen statt Jahren. Das ist nicht unrealistisch. Singapur macht das vor. Massive Investitionen in Infrastruktur würden funktionieren. Straßen, Schienen, digitale Netze. Das würde Arbeitsplätze schaffen und Unternehmen halten. Eine echte Bildungsreform würde funktionieren – von der Kindertagesstätte bis zur Universität. Technologieförderung, besonders in KI und Digitalisierung, würde funktionieren. Die USA und China machen das. Der Schutz von Meinungsfreiheit und Rechtsstaatlichkeit würde funktionieren, weil echte Innovation nur dort passiert, wo Menschen frei denken können.

Stattdessen bekommen wir Reden ohne Handlung.

Fazit: 2025 war das Jahr, in dem Deutschland verloren ging

Das Jahr 2025 wird nicht als das Jahr der Hoffnung in die Geschichte eingehen. Es wird als das Jahr eingehen, in dem Deutschland beschloss, nicht mehr um die Zukunft zu kämpfen. Nicht weil die Probleme unlösbar wären. Nicht weil die Ressourcen fehlen würden. Sondern weil die Bereitschaft fehlt, etwas zu ändern.

Und das ist das eigentliche Drama.

Visionär wie ein Nokia-Handy: Katherina Reiche und das Märchen vom flexiblen Absturz

Während Deutschland dabei zusehen muss, wie seine Industrie die Koffer packt und Brücken eher einstürzen als saniert werden, hat die Unions-Politikerin Katherina Reiche den Schuldigen für die Misere endlich gefunden: Es ist der Arbeitnehmer, der sich einfach zu schwer vor die Tür setzen lässt.

Man muss Katherina Reiche für ihren Mut bewundern. In einer Zeit, in der Energiepreise explodieren, die Bürokratie Unternehmen wie eine Anakonda erwürgt und wir bei der Digitalisierung liebend gern den Anschluss an Rumänien suchen, kommt sie mit einer Idee um die Ecke, die so frisch wirkt wie ein Joghurt, der seit der Jahrtausendwende hinter der Heizung liegt: Wir müssen den Kündigungsschutz lockern!

https://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/deutschland-ministerin-reiche-fordert-weniger-kuendigungsschutz/100186027.html

Das ist brillant. Geradezu bestechend in seiner Schlichtheit. Denn jeder weiß: Wenn VW, BASF und Miele darüber nachdenken, ihre Produktion ins Ausland zu verlagern, dann liegt das nicht an fehlenden Stromtrassen, maroden Schulen oder Genehmigungsverfahren, die länger dauern als der Bau der Cheops-Pyramide. Nein, sie gehen, weil sie Herrn Müller aus der Buchhaltung nicht schnell genug loswerden.

Die Renaissance der Mottenkiste

Reiches Forderung ist ein intellektueller Offenbarungseid. Sie ist der Versuch, komplexe Strukturkrisen mit einem Hammer aus der neoliberalen Mottenkiste der 90er-Jahre zu lösen. Die Logik dahinter ist faszinierend: Wenn wir es den Unternehmen nur leichter machen, Leute zu feuern, dann – und nur dann – werden sie ganz bestimmt massiv investieren. Das ist ungefähr so, als würde man einem Ertrinkenden die Schwimmweste wegnehmen, damit er motivierter schwimmt.

Wir erleben gerade eine Deindustrialisierung auf Raten. Arbeitsplätze werden nicht aufgebaut, sie werden abgebaut. Wer in dieser Phase „mehr Flexibilität“ bei Kündigungen fordert, meint in Wahrheit: „Macht den Abstieg billiger.“ Es ist der durchschaubare Versuch, unternehmerische und politische Fehlentscheidungen auf dem Rücken derer auszutragen, die am wenigsten dafürkönnen: der Belegschaft.

Was Reiche uns verschweigt

Spannend ist nicht nur das, was Frau Reiche sagt, sondern vor allem das, was sie nicht sagt. Wo ist der Plan für eine Infrastruktur, die nicht an Dritte-Welt-Länder erinnert? Wo ist das Konzept für ein Bildungssystem, das Fachkräfte produziert statt funktionaler Analphabeten? Wo bleibt der radikale Bürokratieabbau, der mehr ist als ein weiteres PDF-Formular zum Ausfüllen?

Dazu herrscht dröhnendes Schweigen. Stattdessen wird der Kündigungsschutz zum Sündenbock erklärt. Das ist bequem. Denn Investitionen in Infrastruktur kosten Geld und dauern Jahre. Den Kündigungsschutz zu schleifen, kostet den Staat nichts – außer dem sozialen Frieden.

Der hinkende Vergleich mit der Schweiz

Besonders zynisch wird es, wenn man den Blick über die Grenze wirft. Gerne wird ja auf Länder wie die Schweiz verwiesen, wo der Kündigungsschutz tatsächlich liberaler ist. Was Frau Reiche dabei geflissentlich übergeht: Wer in der Schweiz seinen Job verliert, fällt in ein System, das diesen Namen verdient, und trifft auf einen Arbeitsmarkt, der aufnahmefähig ist. In Deutschland hingegen bedeutet der Jobverlust dank jahrelanger politischer Weichenstellungen für viele den direkten Weg in die Existenzangst.

Reiche möchte also das „Fire“ aus dem „Hire and Fire“-Modell importieren, aber ohne das „Hire“ und vor allem ohne das soziale Sicherheitsnetz, das anderswo dazugehört. Sie will die Flexibilität der Schweiz mit der sozialen Kälte eines reinen Kostensenkungsprogramms kombinieren.

Fazit: Kompetenz sieht anders aus

Eine Wirtschaftspolitik, der im Angesicht einer Rezession nichts Besseres einfällt, als die soziale Absicherung der Arbeitnehmer zu attackieren, hat den Namen nicht verdient. Es ist keine Reform, es ist Kapitulation vor den wirklichen Problemen.

Wer glaubt, dass Deutschland wieder zum Wirtschaftswunder wird, indem man die Axt an die Arbeitnehmerrechte legt, der glaubt auch, dass man ein brennendes Haus löscht, indem man die Versicherung kündigt. Frau Reiche hat mit diesem Vorstoß vor allem eines bewiesen: Dass man alte Konzepte noch so oft abstauben kann – sie werden dadurch nicht brauchbarer. Sie werden nur staubiger.

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